Interrail Part I (Street)

Interrail Part I (Street)

So: nach langer, langer Abstinenz hier nun endlich wieder ein Beitrag (ein langer, langer Beitrag).
Wie einige ja vielleicht wissen, war ich im September drei Wochen mit dem Zug durch Europa unterwegs. Mit dabei hatte ich meine Leica MP mit einem Elmarit 28 pre asph und zwanzig Rollen Tri X. Achtzehn Rollen Tri X sind es dann am Ende geworden – Entwickeln, Scannen, Lightroomen später:

Hier nun die Fotoauswahl zum Thema Street.

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Urlaub

Im September geht es auf Rucksacktour durch Europa- was nimmt man da an Kameraequipment mit? Nicht viel.

Eine Kamera, ein Objektiv und ein bisschen Film, genauer gesagt;
1x Leica MP
1x Elmarit 28mm V- IV
20x Tri-X
6x Kodak Gold

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Kein Stress wegen Objektivwechseln, Platzmangel und anderer Probleme.
Die Kamera habe ich sowieso 24/7 um und den Film kann man einfach ohne Karton in den Rucksack schmeißen, in die Nische in der er noch Platz hat, kullert er dann selbstständig rein.

Letztes mal hatte ich eine Minolta XD7 mit 2.8 28mm und meine (jetzt nicht mehr meine) Fuji x100 dabei, das war mir schon zu viel. Allein immer die Frage, heute analog, oder digital?
Recht gute Fotos sind damals trotzdem bei rausgekommen:

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x100

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x100

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Mal gucken was es dieses mal gibt!

Graflex

Graflex

Da ich anscheinend im Studium nicht ausgelastet bin und auch in meiner Freizeit gerne rechne, habe ich mir eine Großformatkamera gekauft,… und betreibe sie mit Fotopapier und selbstgekochtem Entwickler.

Diese (abenteuerliche) Kombination bewirkt, dass die Ausbeute der Bilder doch recht breit gestreut ausfällt. Mal sitzt die Belichtung nicht, mal ist der Entwickler etwas schwach auf der Brust, mal vergisst man irgendwas an der Kamera ein zu stellen. Ab und an kommt es aber vor, dass mal alles passt (was ganz schön ist, da ich immer nur zwei Fotos auf einmal machen kann, da ich nur einen Filmhalter habe).

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Selbstportrait – f8 – 80sek

Als besonders tricky erwies sich die Belichtung von Fotopapier. SW Papier wird in der Regel als ISO 6 angegeben, woraus schon einmal recht lange Belichtungszeiten entstehen, das führt dann dazu, dass man den Schwarzschildeffekt einberechnen muss.
Ganz zu schweigen von Belichtungskorrektur beim „langen Balgen“, wenn man also besonders nahe Objekte fotografiert, oder viel tilt/shift macht – man also den Balgen fast auf vollständige Länge ausfährt.

Ich habe mittlerweile ein paar Faustregeln, welche solide Belichtungen bringen, so belichte ich zum Beispiel bei Nahaufnahmen, bei Tageslicht, ca. 7 Blenden über.

img126Ella – f4.5 + tilt/shift – 1sek

Macht man dann aber mal alles richtig, oder annähernd richtig, bekommt man Fotos, die einen vom Hocker hauen. Fotos die wirklich aus einer anderen Zeit zu kommen scheinen, aber das brauche ich glaube ich nicht näher erläutern, dass sieht jeder selber:

img179Regensburg – f35 + tilt/shift – 10sek

Positiver Nebeneffekt, ich komm mir wie der tollste Alchemist der Stadt vor, wenn ich vor der Badewanne knie und die in rotes Geschenkpapier eingewickelte Lampe zeigt, dass da etwas in meinem Kaffeegemisch entsteht.
Mein Kaffeegemisch habe ich nun auch noch verbessert und jetzt so umgestaltet, dass ich einen zwei mal verwendbaren Kurzansatz habe, der genau für ein Filmback reicht.

img127 Ella – f4,5 – 1sek

Also wer den Nerv hat sich in seiner Freizeit mit chemisch-fotografischen Problemen zu beschäftigen sollte sich eine Großformatkamera kaufen und diese mit Fotopapier betreiben! Für die Fotos lohnt es sich auf jeden Fall!

img183Selbstportrait – f4,5 – 60sek

sören3Sören – f4,5 – 10sek

Fotos aus der Selfiefarbik

Fotos aus der Selfiefarbik

Ich habe ja eigentlich immer meine Leica dabei, ausser wenn ich weiß, dass ich Alkohol trinken werde. Aber auch so kommt man manchmal in Situationen, in denen man grade doch kein Foto machen kann – weil die Kamera auf dem Rücksitz liegt, weil man ISO 50 Film drin hat, weil die Museumsdame einen schon zum neunten mal böse anschielt und so weiter und so fort…

Processed with VSCO with a6 preset

 

Processed with VSCO with g3 preset
Wie schön, dass es ein Gerät gibt, welches man immer dabei hat und so ungefähr alles kann, was die Leica auch macht.
Man muss es nur aus der Hose fischen, kurz zwei, drei mal auf dem Touchscreen rumtippen und schon hat man ein Foto gemacht.
Wenn man will und ein wenig geübt ist, kann man dabei aussehen, als würde man grade etwas komplett anderes machen, zum Beispiel Nachrichten lesen,..

Hat man dann noch eine schöne App zum Bearbeiten von Fotos, hat man schnell ein Foto welches man kaum von einem „richtigen“ Foto unterscheiden kann.

Processed with VSCO with m5 preset

VSCO ist zum Beispiel eine schöne App, welche es ermöglicht den Fotos einen schönen Filmlook zu geben – sonst sehen die Fotos mir oft zu klinisch aus. Ausserdem kann man damit das (doch oft) vorkommene Rauschen etwas kaschieren..

Processed with VSCO with a6 preset

Meistens wird man ja doch blöd angeguckt, wenn man sagt, dass man auch mal mit dem Handy fotografiert. In der „seriösen“ Fotografie ist das Handy doch eher Instagram und“ 14 jährigen Selfiekids“ vorbehalten. Natürlich ist eine Nikon, Canon, oder Sony kompetenter und bietet mehr Möglichkeiten zum Fotografieren – aber mehr als ein Selfiefabrik ist das Handy doch alle Male!

Processed with VSCO with m3 preset

 

Processed with VSCO with kk1 preset
Auch ich habe das Handy lange nicht als Fotoapperat wahrgenommen – bis ich mir die Fotos irgendwann mal in groß auf dem PC angeguckt habe. Die Auflösung war auf jeden Fall besser als die, die ich vom gescannten 35mm Film bekomme und auch die Farben waren wunderschön.

Processed with VSCO with c1 preset

 

Processed with VSCO with p5 preset
Einziger Nachteil an der ganzen Geschichte ist, dass die Fotos doch oft irgendwo verschwinden. Unter tausenden von bescheuerten WhatsApp Fotos, oder abfotografierten Skripten und Laborergebnissen, finden sich dann ein, zwei gute Bilder – die man aber nach einiger Zeit einfach vergisst.

Aber auch dieser Aspekt hat seine schöne Seite, denn wenn man die Fotos dann nach Monaten mal aus der Versenkung holt erinnert man sich wieder an einen schönen Moment. Das passiert bei meinen Filmfotos nicht so oft, da man sie öfter mal anklickt, scannen und bearbeiten muss – das ist wie wenn man einen Song zu oft hört – irgendwann wirds mau.

Processed with VSCO with m5 preset

 

Processed with VSCO with a6 preset

(beide Fotos von meiner Freundin)

(Wegen diesen vielen positiven Punkten, sollte man auch als Fotograf ab und an mal zu seinem Handy stehen. Es ist nicht nur ein Gerät welches einem Zeit raubt, man kann damit auch Kunst schaffen- man muss nicht von seinem Handy kontrolliert werden, man kann es kontrollieren.)

Auch wenn man sich am Anfang ein wenig doof und nicht als Fotograf vorkommt – man sollte einfach mal mit dem Handy fotografieren. Mich haben die Fotos aus diesem kleinen Gerät auf jeden Fall überrascht und überzeugt.

Processed with VSCO with kk1 preset

 

Processed with VSCO with kk2 preset

 

Processed with VSCO with a6 preset

 

Processed with VSCO with c1 preset

 

Processed with VSCO with c1 preset

 

Processed with VSCO with t1 preset

 

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Processed with VSCO with b1 preset

 

Processed with VSCO with c1 preset
Alle Fotos: iPhone 5s + VSCO Cam App

schwarze löcher, schwarzer kaffee

Seit ein paar Tagen kann ich mich glücklich schätzen, denn ich habe ca. zwei Wochen frei.
Nur was macht man mit der ganzen Zeit, wenn draußen schlechtes Wetter ist?

Eine Lochkamera bauen,.. aber nicht so ein Döschen, nein was Großes. Nicht mit Film betrieben, sondern mit Fotopapier – 9x13cm.

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Naja,.. gut, die „Kamera“ sieht nicht grade vertrauenserweckend aus. Sie besteht aus einem Whiskykarton, welcher ein ca. 0,5mm großes Loch in der Aussenwand hat. Daraus resultiert eine Brennweite von ca. 10-15mm und eine Blende von ungefährt f190.

Als Papier habe ich Foma Multigrade genommen, um einen schönen Kontrast zu bekommen – deswegen sieht man zwei M2 Filter vor das Loch geklebt.

Die Belichtungszeiten halten sich aber (trotz Blende und Filter) noch in Grenzen, beide Beispielbilder wurden ca. 5:30min belichtet:

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Dieses Bild habe ich direkt vom Negativ gescannt (da das Fotopapier ja als Film fungiert, ist das Bild, welches man aus der Kamera bekommt ein Negativ) und dann am PC bearbeitet. Man sieht mich wie ich am Fluss sitze.

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Der Blick aus meinem Fenster, dieses Foto habe ich als Positiv gescannt. Dazu habe ich vom Negativ-foto das Papier abgeknibbelt, bis es recht „durchsichtig“ war. Dann habe ich das Negativ wieder auf ein neues Fotopapier gelegt und so einen Kontaktabzug ausbelichtet – deswegen sieht das Foto so fleckig aus. Erinnert mich ein bisschen an das erste Foto der Welt (Joseph Nicéphore Niépce) .

Aber kann man das Fotopapier nicht auch in normale Kameras quetschen? Eine Hasselblad zum Beispiel (35mm würden wohl ein wenig klein werden)?
Gesagt, getan:

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Klappt ganz gut, wie ich finde. Werde das Ganze in den nächsten Tagen mal noch ein wenig fortführen!

Entwickelt wurden die Fotos übrigens in Caffenol (habe ich zum ersten Mal ausprobiert) – klappt ganz gut, auch wenn der Ansatz recht schnell dull ist (nach 30min wirds kritisch).

Bitte nicht schießen – Rock am Ring 2016

Bitte nicht schießen – Rock am Ring 2016

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Naja, die meisten werden es ja vielleicht mitbekommen haben: Rock am Ring war dieses Jahr nicht sooo der Knaller.
Es lässt sich eigentlich auf ein paar einfache Worte reduzieren: Regen, Matsch, keine Organisation, Blitze, Bier.
Auch wenn das Festival nur zwei Tage dauerte, so ist doch recht viel passiert;
ein kleiner fotografischer Bericht.

Fotografisches Setup: Olympus Mju II (Gott sei Dank habe ich keine „richtige“ Kamera mitgenommen (Platzregen)) + Paradies Iso 400 Filme

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Fangen wir doch gleich mal mit dem Wetter an – das war nämlich ziemlich komisch. Man hatte zeitweise gutes Wetter, wo sogar die Sonne schien und dann stand man 10 Minuten später mitten in einer Gewitterzelle. Problematisch an der ganzen Sache war vor allem, dass es auf dem Festivalgelände keine Bereiche gab, wo man vor den Blitzen wirklich  geschützt gewesen wäre – aber dazu komme ich am Ende des Berichtes.

Ebenfalls kontraproduktiv waren die massiven Regenfälle, welche das Festivalgelände in eine einzige Matschwüste verwandelten. Zeitweise stand ich auf „Wegen“ welche man auch für den Dreh eines WW1 Schützengraben-Dramas gut hätte nutzen können.

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Wobei es noch ging, als ich die Fotos gemacht habe, am Samstagmorgen (zweiter Festivaltag) stand ich in einer Matsche, die mir bis zum Knie ging.

Der Matsch war aber kein wirkliches Problem, denn ich hatte Gummistiefel! Ausserdem ist man ja nicht zum Meckern zum Festival gefahren, sondern um Musik zu hören und mit Freunden was zu machen.

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Dazu gehört natürlich obligatorisch Dosenbier und Ravioli. Aber was soll man dazu groß schreiben?
Viel interessanter sind da die Leute, die auf so einem Festival rumlaufen. Gelber ganzkörper Regenanzug, grüner Iro, signierte rechte Arschbacke, ABC Schutzanzüge (sind die wasserdicht?) usw…

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Doch nun Spaß beiseite, jetzt kommen wir zu den Blitzen:
Besonders möchte ich hierbei auf den Freitag Abend eingehen, als eine Gewitterfront über das Gelände zog und mehrere Blitze einschlugen, wobei  ca. 70 Menschen verletzt wurden.

Es war gegen acht Uhr, Disturbed hatten grade ihr Set fertig gespielt und Joko und Klaas hatten eine mehr, oder minder lustige Spaßaktion auf der Bühne aufgeführt. Nun sollte Tenacious D auftreten und die Eingangsmusik spielte schon ein,.. es passierte aber nichts.
Das Wetter war in diesem Moment noch gut, bis sehr gut (das Bild vom „Iro-mann“ habe ich ca. zu dieser Zeit gemacht).

Nach ein paar Minuten des Wartens, in denen immer noch keine Tenacious D auf der Bühne standen, gab es eine Durchsage, welche etwa diesen Wortlaut hatte: Es zieht eine Gewitterfront über das Festivalgelände, es muss mit Blitzeinschlägen gerechnet werden, halten Sie sich von hohen, oder metallenen Gegenständen fern.

Toll, ich stand mit einigen Freunden direkt zwischen den zwei großen Boxentürmen. Ich weiß noch, dass ich mir am Anfang besonders Sorgen darum gemacht habe, dass es ja unglaublich laut sein wird, wenn ein Blitz in den Turm einschlägt.
Aber dann fing es an zu regnen,.. naja eher gießen. Da hat auch die Regenjacke nichts mehr gebracht, innerhalb von wenigen Minuten war ich komplett nass und das Wasser staute sich in meinen Gummistiefeln.
Komplett überflutet war aber auch der Bereich vor der Bühne, sodass man in einer großen Pfütze stand. Dass man jetzt die Wellenbrecher räumen sollte fand ich ganz gut (denn Wasser leitet ja ziemlich gut).

Beim verlassen der Wellenbrecher kam es zeitweise zu „Knautschzonen“ sodass ich meine Freunde verlor und kurze Zeit später allein auf einer großen Wiese stand, welche auch komplett geflutet war. Hier habe ich dann das letzte Foto des Abend gemacht:

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Rechts sieht man den Boxenturm, vorne die Wiese und hinten die Bühne.
Ich weiß nicht ob es kurz danach, oder kurz davor war (diese zwei,drei Minuten sind etwas verschwommen), auf jeden Fall schlug dann nicht sehr weit entfernt der Blitz ein. Menschen fielen um, Rettungskräfte kamen, Verletzte wurden abtransportiert, usw..
ein Bild ist mir aber noch ganz genau vor Augen:

Mehrere Sanitäter stehen um einen leblosen Körper herum, welcher auf festen Untergrund gelegt wurde, um ihn reanimieren zu können. Der Oberköper ist nackt und liegt auf dem dunklen Asphalt. Ein Sanitäter hält einen Schirm, damit es nicht zu sehr auf die Szenerie hinunter regnet, ein Anderer führt eine Herzmuskelmassage durch.
Fast schon instinktiv hatte ich die Kamera in der Hand, aber dann fragte ich mich: Wieso?

Wieso sollte ich das jetzt hier fotografieren? In Anbetracht der Tatsache, dass die  Reanimation recht lange dauerte – möchte ich einen sterbenden Menschen fotografieren? Habe ich das Recht einen Menschen in seinem schwächsten Moment zu fotografieren, sein Leid für ein (vielleicht)  gutes Foto nutzen?

Nein, zu all den Sachen habe ich kein Recht. Deswegen habe ich ihn auch nicht fotografiert. Ich kann mir jetzt aber vorstellen, welchen ethischen Bedenken sich z.B. Kriegsfotografen ausliefern müssen – aber das hier war kein Krieg, sondern ein Unfall.

Ich habe ihn nicht fotografiert und auch sonst nichts mehr auf diesem Festival (deswegen gibt es auch keine Fotos vom Samstag). Auch weil ich dann am Samstag morgen abgereist bin.

Ich wünsche dem Reanimierten, über dessen Gesundheitszustand ich nicht viel erfahren konnte und wenn etwas, dann nichts wirklich vielversprechendes, alles Gute.